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Forschungszentrum Stimme & Emotion
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Willkommen am Forschungszentrum...
StartseiteStimme und Emotion, diese beiden Phänomenbereiche sind untrennbare Bestandteile der lautsprachlichen Kommunikation. Stimme ist der zentrale Energielieferant für den Sprachschall. Beim Flüstern müssen wir unserem Dialogpartner sehr nahe sein; nicht-geflüsterte, stimmhafte Sprache kann hingegen auch große Entfernungen überbrücken und trotzdem problemlos verstanden werden. Des Weiteren bedeutet miteinander sprechen nicht einfach nur, Informationen über die Welt auszutauschen. Sprechen ist soziale Interaktion, und dementsprechend ist das, was wir sagen, auch immer dadurch gefärbt, wie wir es sagen. Parallel zu den Informationen über die Welt vermitteln gleichzeitig unsere Bewertungen dieser Informationen, unsere Einstellungen gegenüber dem Hörer und dem Gespräch sowie – in gewissem Umfang daran geknüpft – unsere Emotionen. Doch welche Arten und Unterarten von Emotionen gibt es? Welche davon kommen in der lautsprachlichen Kommunikation vor, und wie sind sie dabei kodiert? Sicher ist, dass die Stimme in Form von Sprechmelodie, Stimmqualität und -intensität eine große Rolle im Ausdruck von Emotionen spielt. Doch was ist darüber hinaus noch wichtig? Und wenn stimmliche Eigenschaften für den Ausdruck von Emotionen variiert werden, welche Auswirkungen hat das auf den linguistischen Einsatz von Stimme in der Produktion von Lauten und Wörtern? Wie lassen sich Emotionen in Form und Funktion von anderen (para-)linguistischen Bedeutungsfeldern, wie Fokus, Emphase und Attitüden, abgrenzen? Wird jede Emotion in der Sprache immer gleich ausgedrückt, oder verändern sich Emotionsausdrücke und –unterschiede zum Beispiel beim Sprechen in geräuschhafter Umgebung? Wie können Hörer und Maschinen Emotionen in den verschiedensten Geräusch- und Kommunikationsbedingungen erkennen, und wie interagiert diese Erkennung mit der Erkennung der Laute und Wörter? Welche Beziehungen gibt es zwischen den Emotionen des Sprechers und den Emotionen, die beim Hörer entstehen? Die Liste der Fragen lässt sich noch sehr viel weiter fortsetzen und muss zudem vor einen sprachübergreifenden Hintergrund gesehen werden, denn jede Sprache hat eigene, kulturell bestimmte Regeln der sozialen Interaktion, und die Sprachen der Welt unterscheiden sich zudem darin, wie sie Stimme in linguistischer Hinsicht einsetzen. Manche Sprachen etwa differenzieren aspirierte und nicht-aspirierte und/oder nicht-aspirierte und stimmhafte Konsonanten. In anderen Sprachen müssen modal-stimmhafte Vokale von geknarrten und/oder von behauchten Vokalen unterschieden werden. In einigen Sprachen wiederum ist die Sprechmelodie das einzige Ausdrucksmittel des Satzmodus, der Akzentuierung oder von Fokuskategorien, während andere hierfür primär lexikalische oder morphosyntaktische Ressourcen verwenden. Weitere funktionale Aspekte der Kommunikation, wie Emphase, Diskurssteuerung, attitudinale Bedeutungen sind zwar über viele Sprachen hinweg gleichermaßen eng mit Sprechmelodie bzw. Stimme insgesamt verbunden, aber in ihren formalen und funktionalen Ausprägungen insgesamt kaum erforscht. Noch viel grundlegendere Wissenslücken bestehen für die meisten bedrohten Sprachen. Hier ist oft nicht einmal bekannt, wie die Stimme für das Lautsystem im Detail eingesetzt wird. Die vorangegangenen Ausführungen haben gezeigt, dass in den Bereichen der Stimme und der Emotion viele, wichtige Forschungsfragen existieren, die alle mehr oder weniger eng bereichsübergreifend miteinander verwoben sind und die nur auf einer interdisziplinären Grundlage erfolgreich angegangen werden können. Das Forschungszentrum "Stimme & Emotion" ist ein daher interdisziplinärer und interfakultärer Verbund aus Wissenschaftlern mit Kernkompetenzen in Psychologie, Phonetik, Linguistik, Signalverarbeitung und HNO-Medizin. Das Anliegen des Zentrums besteht darin, aufbauend auf den Traditionen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Forschungen zur Stimme und zur Emotion gleichermaßen zu vertiefen und zu verbinden und die dabei entstehenden Synergieeffekte für die Lehre und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie für die Einwerbung von Drittmitteln zu nutzen. Das Forschungszentrum "Stimme & Emotion" versteht sich dabei als eine offene Gruppe, die interessierte Forscher und Studierende jederzeit willkommen heißt. Für diesbezügliche oder allgemeine Anfragen und Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Kiel, im März 2011 Oliver Niebuhr. ![]()
Letzte Aktualisierung / last updated: 06.03.2011 © O. Niebuhr, niebuhr AT linguistik.uni-kiel.de, Phone: 0049-461-940-3993 |