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Forschungszentrum Stimme & Emotion
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Aktuelle Projekte des Forschungszentrums "Stimme & Emotion"Synchronsprecher, Prof. Dr. Christian Kärnbach und Christopher Glaubitz
Das Projekt Synchronsprecher beschäftigt sich mit der Frage, ob die Stimme einer Person als Erinnerungsanker beim visuellen
Wiedererkennen eines Menschen dient. Als Studienobjekte bieten sich hierfür Schauspieler an, da diese zum einen einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind
und zum anderen durch Synchronsprecher mehrere Stimmen auf sich vereinigen bzw. sich die Stimme eines Synchronsprechers teilen können.
In der ertsen Studie wurde untersucht, ob Schauspieler, die sich einen Synchronsprecher teilen, häufiger miteinander verwechselt werden als Schauspieler,
die exklusiv einen Synchronsprecher besitzen. Interkulturelle Emotionsperzeption, PD, Dr. Hartmut Pfitzinger und Jessica Bösel
Im Rahmen des Untersuchungszweigs Interkulturelle Emotionsperzeption wurde im SoSe 2010 und im WiSe 2010/2011 kontrastiv die Wahrnehmung von
Emotionen in gesprochener Sprache untersucht. Zentrale Frage dabei war, ob Emotionen in der Sprache von Mitgliedern unterschiedlicher Kultur- und Sprachräume
gleich wahrgenommen werden und ob ein Transfer des emotionalen Gehalts über Kulturgrenzen hinweg möglich ist. Hierfür wurden zwei spontansprachliche, emotional
gefärbte Sprachkorpora benutzt: Ein hebräisches und ein deutsches Korpus. Lexikalisch intensivierende Emphase im Deutschen, Prof. Dr. Oliver Niebuhr, Rabea Landgraf
Da Emphase bislang in allen Sprachen wenig erforscht wurde und es nicht klar ist, inwieweit Emphase formal und funktional anders als Emotionen ist,
wird Emphase zunächst im Deutschen und im weiteren Forschungsverlauf in anderen Sprachen untersucht werden.
Bezüglich der lexikalischen Semantik ist Äußerung 1 negativ, Äußerung 2 positiv und Äußerung 3 neutral. In der Vorbereitung des Wahrnehmungsexperiments sind Aufnahmen
aller drei Äußerung gemacht worden. Die Äußerung wurden von jeweils einem männlichen und einem weiblichen Sprecher mit neutraler Akzentuierung sowie mit negativer und
positiver Emphase produziert. Diese neun in der Vorbereitung produzierten Stimuli wurden mit zehn Skalen kombiniert und anschließend 25 Probanden vorgeführt.
Bei der Auswertung des Experiments konnte ein semantisches Profil der positiven und negativen Emphase herausgearbeitet werden, das mit den Annahmen aus der
Produktionsstudie konform geht. Inzwischen konnte in einem Zusatzexperiment mit einem innovativen Ironieurteile-Paradigma herausgefunden werden, dass die multiparametrischen
Profile positiver und negativer lexikalisch intensivierender Emphase als Gestalten angesehen werden können. Das heißt, einzelne Parametereigenschaften triggern noch nicht positive
oder negative Emphase. Es ist ein Verbund aller Parametereigenschaften notwendig, der nicht dekomponiert werden kann.
Stimmqualitätsveränderungen im Wangka, Prof. Dr. Oliver Niebuhr
Wangka ist eine Varietät des Riung, einer bedrohten Sprache, die von etwa 14.000 Sprecherinnen und Sprechern in Ostindonesien (Nusa Tenggara) gesprochen wird. Eine besondere Eigenschaft dieser Sprache besteht darin, dass sie - laut den wenigen deskriptiven Untersuchungen, die uns vorliegen - behauchte und geknarrte Stimme über Vokale und Sonoranten phonologisch distinktiv zur Wortunterscheidung einsetzt. Die geplante Studie zielt darauf ab, dieses Postulat anhand von neu und sytstematisch gesammelten Sprachmaterials zu überprüfen und darauf aufbauend zu untersuchen, wie diese Stimmqualitätsoppositionen - sollten sie existieren - mit den Stimmqualitätsveränderungen als prosodische Grenz- und Phrasierungssignale interagieren, die in Kiel für das Deutsche, aber auch für Dänische und Französische lange Zeit erforscht wurden. Die Studie wird in Kooperation mit Christopher Schmidt und Prof. Dr. Masayoshi Shibatani (Rice University, Houston, USA) durchgeführt.
Rekonstruktion verschliffener Wörter im emotionalen Kontext, Prof. Dr. Oliver NiebuhrErste Studien durch Prof. Dr. Oliver Niebuhr haben vor Kurzem zeigen können, dass Identifikation und Rekonstruktion selbst hochgradig verschliffener Wörter wie eigentlich in spontaner Sprache prinzipiell direkt signalbasiert und somit kontextfrei ablaufen können. Dennoch spielt der Kontext in der alltäglichen Kommunikation natürlich ebenfalls eine Rolle. Einflüsse des syntaktischen und semantischen Kontexts sind inzwischen mehrfach demonstriert worden, zur Rolle des emotionalen Kontexts ist hingegen wenig bekannt. Die Sprechgeschwindigkeit ist eine der zentralen pho-netischen Variablen im Ausdruck von Emotionen, und die geplante Studie soll anhand von ambigen Formen, die entweder als hochgradig reduzierte Wortsequenzen oder als einzelne volle Wortformen interpretiert werden können (z.B. Wismar: Stadt oder Willst du mal), untersuchen, ob und inwieweit der durch Emotion variierte Sprechgeschwindigkeitskontext die eine oder die andere Interpretation der jeweiligen ambigen Form triggert. Die Studie wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Laura Dilley (Michigan State University, USA) durchgeführt werden. Korpus emotionaler Sprache, KASPAR, PD Dr. Pfitzinger, Prof. Dr. Kaernbach
Das Ziel dieses Projektes ist es, ein Korpus emotionaler Spracher zu erstellen. Darüber hinaus soll diese Datenbank neben den eigentlich Sprachaufnahmen auch subjektive Urteile von Hörern enthalten. Zusätzlich zu den Sprach- und Urteilsdaten werden physiologische Daten der Hörer erhoben, um die emotionale Wirkung des Stimmkorpus zu überprüfen. Diese Daten werden ebenfalls in das Korpus eingebunden. Eine wichtige Säule des Projektes ist, Schauspieler und Laien Sätze mit emotionalem Ausdruck vortragen zu lassen und sie dabei durch multi-modale Reizanordnungen/-kontexte zu unterstützen. Zusätzlich soll in weiterführenden Analysen geprüft werden, ob sich die Basisemotionen Furcht, Wut, Ekel, Freude Überraschung und Trauer anhand von phonetischer bzw. psychoakustischer Parameter in den Aufzeichnungen erkennen lassen. Dieses wäre ein großer Vorsprung für das Feld des "affective computing". ![]()
Letzte Aktualisierung / last updated: 06.03.2011 © O. Niebuhr, niebuhr AT linguistik.uni-kiel.de, Phone: 0049-431-880-3314 |