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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Forschungszentrum Stimme & Emotion
Research Centre Speech & Emotion

     
 

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Forschungsansatz des Zentrums


In der zwischenmenschlichen Kommunikation vermittelt die Sprache auch Emotionen. Bisherige Forschungsinitiativen in diesem Themenbereich haben die Sprache in erster Linie als Transportmittel und nicht als Ausdrucksmittel von Emotionen behandelt. Es ist jedoch wichtig zu sehen, dass die biologisch fundierten und als universell anzusehenden psychophysiologischen Prozesse sich nicht lediglich in der Sprache manifestieren, sondern durch das zur Verfügung stehende linguistische Instrumentarium, den soziokulturellen Hintergrund der Kommunikationspartner und die Rahmenbedingungen der Kommunikationssituation überformt werden. Das Ziel des Zentrums "Stimme & Emotion" ist es, die bestehende Forschung an diesem Konvergenzpunkt des sprachlichen Ausdrucks von Emotionen fortzusetzen. Das heißt, im Mittelpunkt des Interesses stehen die Interaktionen der psychophysiologischen, phonetischen und lexiko-grammatischen Komponenten und ihre kulturell, sozial, regional und situativ begründete Vielfalt. Parallel zu dieser inhaltlichen Progression wird eine methodische Progression angestrebt, innerhalb derer der sprachliche Ausdruck von Emotionen über einzelsatzbasierte Laborsprache hinaus unter konkreten Kommunikationsbedingungen untersucht wird.


Die Grundlagen des sprachlichen Ausdrucks von Emotionen werden von psychologischen, phonetischen und sprachwissenschaftlichen Ansatzpunkten her angegangen. Die konkreten Umsetzungen und Variationen des sprachlichen Emotionsausdrucks werden zusätzlich unter der Perspektive des Übertragungsmediums, d.h. des akustischen Signalraumes und dessen (Stör-)Eigenschaften, betrachtet. Diese Interdisziplinarität ist nicht nur gewinnbringend für die Forschung selbst, sondern auch für die einzelnen Disziplinen und ihre Vertreter.


Die Psychologie quantifiziert die Emotionen des Sprechers und Hörers mithilfe standardisierter Urteilsverfahren und physiologischer Reaktionsmuster. Dabei wird besonderes Gewicht auf Eigenschaften und Entwicklung des sprachlichen und soziokulturellen Hintergrundes der Kommunikationspartner gelegt. Dieser Schwerpunkt kann dazu beitragen, komplexere Emotionskonzepte und -modelle zu entwickeln, etwa bezüglich zeitlicher Domänen und Überlappungen von Emotionen.


Die Phonetik erstellt Korpora und analysiert diese im Hinblick auf den Ausdruck von Emotionen in der Sprachproduktion und -akustik. Sowohl die Erhebung als auch die Analyse der Sprachdaten findet unter Berücksichtigung linguistischer und psychologischer Variablen statt. Die Analyse nimmt zudem gleichermaßen Bezug auf die segmentelle und die prosodische Ebene und deren Parameter. Des Weiteren gestaltet die Phonetik Wahrnehmungsexperimente mit.


Die Sprachwissenschaften untersuchen über die Form und Semantik von lautimitierenden Ausdrücken und Emotionsbezeichnungen hinaus die lexiko-grammatischen Ressourcen des Ausdrucks von Emotionen in konkreten sprachlichen Äußerungen. Dabei werden die Sprachwissenschaften ebenso wie die Phonetik von den methodischen Konzepten und emotionstheoretischen Forschungen der Psychologie profitieren.


Die Signalverarbeitung versucht, vor dem Hintergrund des Übertragungsmediums die sprachlichen, emotionalen und die den akustischen Rahmenbedingungen bzw. der Kommunikationssituation geschuldeten Komponenten des Sprachschalls zu separieren und zu strukturieren. Außerdem gilt es bei Aufnahmen in gestörten Umgebungen den Einfluss der nicht-sprachlichen Anteile so gut als möglich zu entfernen. Hierzu werden Kompensationsansätze (bei Störungen für die eine Referenz vorhanden ist) sowie statistisch motivierte Optimierungen, wie z.B. eine Geräusch- bzw. Hallreduktion, eingesetzt.




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Letzte Aktualisierung / last updated: 06.03.2011
© O. Niebuhr,
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